Das war der Vortrag: "Das Gymnasium ist tot!" von Gerd Kube PDF Drucken E-Mail
Montag, den 26. September 2016 um 21:53 Uhr

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Gerd Kube bei seinem Vortrag Gerd Kube bei seinem Vortrag Gerd Kube sprach im GV über eine „altehrwürdige Schulform“, die der Ökonomie zum Opfer falle. Traditionelle humanistische Ideale würden durch PISA, Inklusion und Berufsorientierung zunehmend zerstört. Gekommen waren neben den Schulleitern der umliegenden Schulen und Bürgermeister Dirk Haarmann zahlreiche Kolleginnen und Kollegen des GV und einige Eltern.

Humboldt ist tot“ hat der spätere Bundesbildungsminister und Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens Jürgen Rüttgers bereits 1987 angemerkt. In einem Vortrag, den Gerd Kube am 20.9. im Gymnasium Voerde gehalten hat, erweitert dieser Rüttgers Feststellung zu der Aussage „Humboldt und das Gymnasium sind tot.“ Sein Vortrag ist nicht nur eine Abrechnung mit bildungspolitischen Entscheidungen mindestens der letzten zwanzig Jahre, sondern vor allem auch eine „Liebeserklärung an eine altehrwürdige Schulform“, wie er betont.

Den Vorwurf des Elitarismus wischt Kube dabei vom Tisch. Er beziehe sich auf Wilhelm von Humboldt, der sich eine Schule für alle gewünscht habe, weg von den Spezialschulen seiner Zeit für die Zöglinge des Adels und der Kirchen. Damit sei seine Bildungsreform ein kaum zu überschätzender Beitrag für die Demokratisierung des Bildungssystems des 19. Jahrhunderts gewesen und alles andere als elitär, sondern radikaldemokratisch.

Humboldts Ideen waren und sind bahnbrechend, weil sie ganz und gar den Menschen im Blick haben und nicht zulassen, dass der zu Bildende zum Mittel für einen fremden Zweck wird“, schwärmt Kube. Dieser fremde Zweck, so zeigt sich später in seinem Vortrag, ist heute vor allem die Ökonomie geworden. So zeigt Kube anhand mehrerer Beispiele auf, wie der Bildungsprozess zunehmend wirtschaftlichen Gesichtspunkten untergeordnet wird.

Doch zunächst zum Bildungsideal Wilhelm von Humboldts: Dieses bildet den Dreh- und Angelpunkt in Kubes Vortrag und wird zunächst einmal haarklein analysiert. Demnach sei Bildung für Humboldt Menschenbildung und nicht Ausbildung für etwas. Daraus folgt auch, dass es unmöglich sei, die berufliche Bildung und die Allgemeinbildung zu vermischen. Die eine habe stets auf die andere zu folgen. Humanistische Bildung heiße vor allem Charakterbildung. Die Pädagogik habe deshalb stets wertorientiert zu sein. Werte-Bildung wiederum setze einen Maßstab von außerhalb voraus. Diesen Maßstab lieferte für Humboldt die griechisch-römische Klassik und habe unbedingt das Wohl des Menschen im Blick. In der Überzeugung des Humanismus habe Bildung zum Ziel, dass der Mensch das in ihm angelegte Gute zu entfalten habe. Damit dies geschehen könne, bedürfe es der Freiheit und der Einsamkeit. Zwei Schlagworte, die das Bildungsideal Humboldts charakterisieren, und die im heutigen Bildungswesen zunehmend untergraben werden, wie Kube im Folgenden ausführlich darstellt.

Der Prozess, der dazu führte, dass humanistische Werte in der Bildung durch ökonomistische abgelöst worden seien, habe laut Kube im Jahr 1961 begonnen, dem Gründungsjahr der OECD. Diese habe einen Paradigmenwechsel in der Bildungspolitik ausgelöst. Bildung sei von nun an als Humankapital und Faktor der internationalen Konkurrenzfähigkeit eines Landes thematisiert worden. Es folgten die PISA-Studie und aus ihrer Konsequenz die Kompetenzorientierung. Jeweils gehe es darum, Bildung zu verstehen als das Ausbilden von Handlungskompetenzen, die – und das ist wichtig – messbar sind. PISA habe letztlich zur Folge gehabt, dass nichts mehr ernsthaft unterrichtet werden solle, was nicht auch messbar sei. Die geforderten Handlungskompetenzen seien hingegen inhaltsleer und „entmoralisiert“. Nicht der ausgewogene, an den Idealen der griechischen Klassik sich bildende Mensch sei das Ziel, „sondern der handlungskompetente Mensch mit einem flexiblen, allseits offenen Wertereservoir, in das sich leicht die Werte einspeisen lassen, die gerade en vogue sind und die Wirtschaft fördern“, so Kube. Dem Verdacht, er sei wirtschaftsfeindlich, tritt er dabei entgegen: Nicht den Ökonomen mache er einen Vorwurf, sondern den Bildungstheoretikern, die sich von der Ökonomie haben vereinnahmen lassen und „im Bereich der pädagogischen Anthropologie als auch in ethischer Hinsicht verantwortungslose Positionen vertreten.“

Kompetenzorientierung schränke zudem die von Humboldt geforderte Freiheit der Bildung ein. „Während Inhaltsorientierung die Freiheit des Handelns unberührt ließ und sie in die Verantwortung des gebildeten Menschen legte, wird uns heute von Statistikern vorgegeben, welche Handlungskompetenzen relevant sind“. Stichwort PISA.

Neben der Kompetenzorientierung geht Kube auf ein weiteres großes Feld der aktuellen Bildungspolitik ein: Die Inklusion. Natürlich folge man einem humanistischen Ansatz, wenn man Menschen mit Behinderung nicht bloß integrieren, sondern inkludieren wolle und damit meine, dass sie ganz selbstverständlich überall und folglich auch in der Bildung uneingeschränkt dazu gehören. Dennoch stelle die tatsächlich praktizierte Inklusion am Gymnasium den humanistischen Ansatz „von den Füßen auf den Kopf“. Zu fragen wäre nämlich, worin denn das Gemeinsame des Lernens bestünde, wenn „der Lernbehinderte unter Einhilfe den Zahlenraum bis 100 bearbeitet [und] die kluge Schülerin Latein lernt“. Diese Art von Lernen verdiene nur die Bezeichnung „gemeinsam“, insofern, dass es sich um ein Tun zur selben Zeit im selben Raum handele. Gemeinsamkeit schlage hier tatsächlich in Einsamkeit um. Hinzu käme, dass eine inhaltliche Tiefe, wie sie in homogenen Lerngruppen mit fachlich spezialisierten Lehrern erreicht werden könne, in inklusiven Lerngruppen schwerer erreicht werden könne. Mit den Inhalten aber gehe zwangsläufig „die Basis für Bildung verstanden als Menschenbildung verloren.“

Zuletzt geht Kube in seinem Vortrag auf die von der aktuellen Bildungspolitik geforderte Berufsorientierung an allen Schulformen und in allen Schulstufen ab der Sekundarstufe ein. Warum diese mit humanistischer Bildung kaum zu vereinbaren ist, bedarf dann kaum noch einer Erklärung: Habe der Zuhörer bisher noch an der These gezweifelt, dass „unser aus den Ideen Humboldts erwachsene Schulsystem einer beispiellosen Ökonomisierung zum Opfer fiel“, so habe er hier den Beweis. Allgemeinbildende und berufsbildende Inhalte würden auf dilettantische Weise miteinander vermischt – eine Vermischung, die letztlich dazu führe, dass Menschenbildung und Charakterbildung und damit eine elementare Voraussetzung für jede Berufsausübung, auf der Strecke blieben. Abgesehen davon, dass die geforderte Berufsorientierung letztlich nur eine „Alibi-Veranstaltung“ sei, die berufliche Realitäten dadurch verzerre, dass sie Schaufenstereffekte erzeuge.

Zum Schluss seines Vortrags schlägt Kube dann noch einmal versöhnliche Töne an: Das Humboldtsche Gymnasium liege zwar in seinen letzten Zügen und ächze unter den Hieben der Bildungspolitik. Aber, da ist sich Kube sicher, wenn es stirbt, werde eine andere Schulform seine Aufgabe übernehmen müssen: Die Bildung junger leistungsstarker, studierfähiger Menschen, die es zweifelsohne gebe. Eine solche Schulform könne man ja dann Gymnasium nennen.

Die Zuhörerinnen und Zuhörer folgten gute anderthalb Stunden konzentriert dem Vortrag des Schulleiters. Im Anschluss blieben noch einige zu einem Anschlussgespräch mit dem Referenten oder zum Gedankenaustausch untereinander. Kube selbst gab sich mit der Resonanz zufrieden: „Als Schulleiter ist es mir wichtig, bildungspolitische Entscheidungen nicht einfach hinzunehmen, sondern kritisch zu begleiten. Ich freue mich, wenn so viele interessierte Zuhörer diese Einstellung teilen.“

Der gesamte Vortrag von Gerd Kube kann hier nachgelesen werden. Er steht in einer Reihe weiterer bildungsphilosophischer Vorträge an der Schule. Am 5. Oktober spricht der Kölner Bildungswissenschaftler Dr. Matthias Burchardt. Titel seines Vortrags: „Mein Kind ist kein Rohstoff! - Humanistisches Ideal und die Ökonomisierung der Bildung.“

 
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