"Lehrwerk" - Voerder Lehrer musizieren für ihre Schüler PDF Drucken E-Mail
Montag, den 05. Dezember 2016 um 19:16 Uhr

"Ich spiel' die Fugen doch so gerne" - Jörg M. Detmold am Klavier"Ich spiel' die Fugen doch so gerne" - Jörg M. Detmold am KlavierIn einem Konzert in der Reihe „Spielräume am GV“, in der eigentlich jedes Jahr ein international erfolgreicher Künstler auftritt, gaben sich in diesem Jahr die Lehrer selbst die Ehre. Benedikt Blome, Robert Kamlage, Jörg Detmold und Karen Schneider, mittlerweile als Schulleiterin am Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel tätig, spielten Kompositionen großer Komponisten, die diese für ihre Schüler geschrieben haben. Das Konzert fand statt am Freitag, den 2. Dezember. Für die NRZ berichtete Bettina Schack darüber:

Die Schüler des Gymnasiums Voerde konnten sich zurücklehnen und dem Programm der Lehrer lauschen - ohne danach Fragen beantworten zu müssen.

Seine Lehrer in der Schule vor sich zu haben und dann einfach nur die Musik zu genießen, gehört wahrscheinlich eher in den Bereich der Tagträumereien zwischen der großen und der kleinen Pause. Am Freitag wurde diese Vorstellung zur abendlichen Stunde in der Aula des Gymnasiums Voerde allerdings Realität. Die Schüler konnten sich auf den gepolsterten Stühlen zurücklehnen, die Lehrer boten ein Programm. Ohne anschließend Fragen zu stellen, aber doch nicht so ganz ohne Wissensvermittlung.

Denn die Stücke, die auf dem Programm des Konzertes mit dem Titel „Lehrwerk“ standen, boten nicht nur Einblicke in musikalische Epochen, Formen und Stile, sie waren zum Teil für sich selbst Unterrichtsmaterial. Verfasst von großen Komponisten für deren Schüler.

Klänge nach Wild-West-Manier

Aber bevor es mit Johann Sebastian Bach gleich an die Spitze des kompositorischen Schaffens ging, galoppierten die ersten Klänge nach Wild-West-Manier von der Bühne in den Saal. Benedikt Blome ließ auf dem Euphonium die Töne von Vizzettis „Cowboy Dance“ und „Bozza nova“ tanzen.

Robert Kamlage ist Musiklehrer am Gymnasium Voerde, er hat das Klavierspiel studiert. Und so gehörte er sozusagen zur Zielgruppe von Aram Khatschaturian. Der Komponist des populären „Säbeltanzes“ komponierte 1959 eine Sonatine für seine Schüler am renommierten Moskauer Konservatorium.

„Kinderszenen“ von Robert Schumann

Die musikalischen Miniaturen der „Kinderszenen“ von Robert Schumann, die Kamlage mit viel Ausdruck der feurigen und rasanten Sonatine folgen ließ, beschwören nicht einfach nur Erinnerungen, sie zeugen von der „Entdeckung“ der Kindheit im 19. Jahrhundert, in dem Pädagogen, Autoren und mit Schumann eben auch ein Musiker sich mit der Psyche von Kindern auseinanderzusetzen begannen.

Zu den „Kinderszenen“ gehört nicht nur die „Träumerei“, in der Kamlage bewusst Platz für Stille zwischen den Klängen ließ, und das wilde „Ritter vom Steckenpferd“, sondern auch „Fürchtenmachen“: das erste Thema langsam, vertrauend tastend, das zweite plötzlich hereinbrechend und davon rennend.

„Ich spiel’ die Fugen doch so gerne“

Béla Bartók hat sich von Schumanns Miniaturen inspirieren lassen. Also her mit der Hommage. Bartók mit seinen strengen, komplexen Strukturen liegt Jörg M. Detmold, der am Gymnasium Deutsch, Philosophie und Altgriechisch unterrichtet und darüber hinaus für seine Theaterinszenierungen bekannt ist. Er war es dann auch, der sich am Freitagabend an das Cembalo-Werk von Bach wagte: „Ich spiel’ die Fugen doch so gerne“.

Die Inventionen in verschiedenen Tonarten und drei Fugen, die Bach für seinen Sohn Wilhelm Friedemann schrieb, verzeihen mit ihrer Motorik beim Spiel nicht das geringste Zögern oder Nachdenken. Dazu kommen die komplexen Stimmführungen und nicht zu vergessen die filigrane Schönheit der Themen: wie tief Detmold diese durchdrungen hat, wurde in seinem Spiel deutlich.

Eine „Ehemalige“ am Violoncello

Karen Schneider unterrichtete am Gymnasium Voerde, bis sie vor zwei Jahren Schulleiterin des Konrad Duden Gymnasiums Wesel wurde. Am Freitag begleitete sie die Violinistin Kate Hildebrandt, Mitglied der Bremer Symphoniker, auf dem Violoncello. Mozarts Duo G-Dur KV 423 ist nicht für einen Schüler geschrieben, sondern gleichzeitig für einen Freund und einen „Feind“. Nicht zum ersten Mal half Mozart Michael Haydn bei einer Auftragsarbeit für den Erzbischof Colloredo.

Und schrieb er dem ungeliebten Hobby-Geiger im ersten Satz noch Passagen, die so unwirsch klangen wie man sich den Charakter Colloredos vorstellt, ließ sich Mozart im zweiten und dritten Satz wieder ganz von seiner inneren Musik leiten. Kate Hildebrandt machte den „verkappten Mozart“ mit perfekter Intonation zu einem Genuss.

Quelle: http://www.nrz.de/staedte/dinslaken-huenxe-voerde/voerder-lehrer-musizieren-fuer-ihre-schueler-id208877531.html, aufgerufen am 5.12.2016

 
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