"Von einem kollektiven Stolz auf die Wehrmachtssoldaten zu sprechen, verhöhnt die Opfer deutscher Kriegsverbrechen" PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 10. Oktober 2017 um 18:28 Uhr

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Schüler des Geschichts-Leistungskurses am Gymnasium Voerde wenden sich in einem offenen Brief an Alexander Gauland

Wenn Franzosen und Briten stolz auf ihren Kaiser oder den Kriegspremier Winston Churchill seien, hatte AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland am 2. September 2017 in einer Rede beim Kyffhäusertreffen gesagt, "haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen".

Constantin Böckhaus, Lehrer am Gymnasium Voerde, hat dieses Zitat als Aufhänger für eine Unterrichtssequenz zur Rolle der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verwendet und damit den Nerv seiner Schülerinnen und Schüler getroffen: Diese setzten sich mit Gaulands Aussagen auseinander und fanden sie so widersprüchlich, dass sie sie nicht unwidersprochen stehen lassen wollten: In einem offenen Brief haben sie sich nun an den AfD-Chef gewendet.

Sicher sei nicht jeder Soldat an den zahlreichen Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht beteiligt gewesen, heißt es dort. Aber eben auch nicht keiner. Von einem kollektiven Stolz auf die Wehrmachtssoldaten zu sprechen, verhöhne daher die vielen Opfer der deutschen Kriegsverbrechen.“

Widersprüchlich finden die Schülerinnen und Schüler Gaulands Haltung, auf der einen Seite Stolz auf die Leistungen deutscher Soldaten zu reklamieren, gleichzeitig aber - und in der Rede nur wenige Sätze zuvor - zu behaupten „diese zwölf Jahre“ (gemeint ist die NS-Diktatur) beträfen „unsere Identität heute nicht mehr“.

Die Schülerinnen und Schüler des Geschichts-Leistungskurses empfinden eine „Verantwortung, dafür einzutreten, dass sich die Geschichte nicht wiederholt“. Mit seiner Rede trete Gauland diese Verantwortung mit Füßen. Er generiere Aufmerksamkeit durch kalkulierte Tabubrüche und gebe rechtsextremen Kreisen die Bestätigung, ihre Themen salonfähig zu machen.

Den offenen Brief an AfD-Chef Alexander Gauland bezüglich seiner Rede beim Kyffhäusertreffen am 2. September 2017 haben alle zwölf Schülerinnen und Schüler des Geschichts-Leistungskurses unterschrieben. „Wir wollen damit einen Beitrag dazu leisten, dass solche Äußerungen wie die Gaulands nicht unwidersprochen im Raum stehen bleiben dürfen“, sagt Jan Krüssmann, einer der Verfasser des offenen Briefes.

Den ganzen Brief als pdf-Datei herunterladen und lesen

 
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