Der Gewinner des „GV-Poetry Slams“ 2015: Matthias Vogt.

Am vergangenen Donnerstag (29.10.) zog der moderne Dichterwettstreit am Gymnasium Voerde wieder ein großes Publikum in die Schule. Insgesamt zwölf Beiträge von erfahrenen und Nachwuchspoeten, von denen zwei außer Konkurrenz liefen, boten den Besuchern feinste Unterhaltung. Der Siegertitel verarbeite in einem fiktionalen Gelage am spätmittelalterlichen Hof Begebenheiten aus dem Schulleben.

Da die erfahrene Slammerin Verena Gardemann wegen Krankheit als Moderatorin für die Veranstaltung ausgefallen war, sprangen die ehemalige Schülerin Alina Andraczek und Lehrer Sebastian Deutschkurzfristig ein und schlugen sich großartig. Durch ihre souveräne und unaufgeregte Moderation trugen sie zum Gelingen eines unterhaltsamen Abends bei. Beide hatten im letzten Jahr selbst auf der Bühne gestanden und verfügten damit über die nötige Erfahrung Publikum und Nachwuchspoeten sicher durch den Abend zu führen. Andraczek, die im letzten Jahr mit einem nachdenklichen Text über „vom Aussterben bedrohte Menschen“ sogar die Siegertrophäe mit nach Hause nehmen konnte, stand auch in diesem Jahr wieder selbst mit einem Beitrag auf der Bühne und erfüllte damit eine Doppelrolle. Im Mittelpunkt ihres Textes „Der Wille zum Unwillen“, der nach eigenem Bekunden „gewissermaßen eine Hommage an den Philosophie-Unterricht von Frau Bachmann“ sein sollte, steht ein nicht weiter mit Namen genannter Protagonist, der als Kommunist, Hippie, Begründer der Grünen und Sinn-Fein-Aktivist sein Leben der Rebellion gegen Alles und Jeden widmete und am Ende feststellen musste, das sein „Wille zum Unwillen am Ende doch nur Wille geblieben“ ist.

Anja Bachmann, die Lehrerin, deren Philosophie-Unterricht in diesem Text geehrt werden sollte, stand dann auch selbst auf der Bühne und war nebenbei Organisatorin des Abends. Sie ließ sich sieben Minuten lang in einem mehr oder weniger liebevollen Text über ihren Deutsch-Leistungskurs aus, der dann auch mit voller Mannschaft im Publikum vertreten war und mit tosendem Applaus antwortete. Der Text landete am Ende auf dem zweiten Platz des Siegertreppchens und stellte damit „die wohl erfolgreichste Publikumsbeschimpfung seit Klaus Kinski“ dar, wie Moderator Sebastian Deutsch kommentierte.

Den dritten Platz machte der Zehntklässler Jan Krüßmann. In seinem Text „Bedeutungslos“ spürt er der historischen Relevanz von Caesar, Vergil, Goethe, Hitler und anderen Persönlichkeit nach und stellt sich am Ende selbst als Herrscher vor in einer Welt, in der der 21. April als Feiertag gilt („mein Geburtstag“) und Latein als Weltsprache gesprochen wird.

Lasse Driemel unterhielt das Publikum mit einer kontroversen Auseinandersetzung über den Milch-Preis und seine politisch-ökonomischen Zusammenhänge.

Michelle Kraft berührte das Publikum mit einem autobiographisch gefärbten Text über das „Anderssein“ – einer Abhandlung über den Selbstzweifel von Menschen, die zu viele Energien darauf verschwenden, Anderen gefallen zu wollen.

Der GV-Poetry Slam 2015 in bewegten Bildern

Julia Giesen lieferte mit ihrem Text „Netzwerke“ eine nachdenkliche Auseinandersetzung mit dem Onlineportal facebook und forderte die Umbenennung sozialer Netzwerke in „Asoziale Netzwerke für aufmerksamkeitsgeile Angeber“.

Lilly Braun berührte die Herzen der Zuhörer mit einer poetischen Liebesgeschichte, der sie den passenden Titel „Ein Spiel“ gab.

Der ehemalige Schüler Tim Stahlmecke nannte seinen Text „Kritik am deutschen Bildungssystem“ und beschäftigt sich darin vor allem damit, „wie ich mein Abitur geschafft habe“.

Eindrücke vom Poetry Slam 2015

Mit dem Bildungssystem beschäftigte sich auch der Text „Schule und was sie mit Kreativität anstellt“ von Kaj Väsisänen. In diesem Text ging es vor allem darum, wie das deutsche Bildungssystem zur Individualisierung der Persönlichkeit beiträgt oder eben vielmehr nicht beiträgt.

Außer Konkurrenz liefen die Beiträge der beiden so genannten „Opferlämmer“ Armin Sawicki und Christine Holland, deren Texte vor allem zur Einstimmung des Publikums und gegen die Nervosität der Teilnehmer dienen sollten. Armin Sawicki, der Sieger des Poetry Slams 2013, lieferte mit seinem Text „der Langweiler“ eine Selbstreflexion eines Mannes „ohne Ecken und Kanten“, der nicht mehr „nur toleriert“ werden will, und erntete trotz oder gerade wegen kleinerer charmanter Versprecher des Poeten den tosenden Applaus des Publikums. Ebenso gefeiert wurde Christine Holland für ihren Text „Denkste Denken ist ’ne gute Idee?“, in dem sie die wirren Gedanken eines originellen lyrischen Ichs auf unterhaltsame Weise zusammenstellt, zum Beispiel „Ob Schildkröten wohl traurig sind, weil sie keine Haare haben?“ und „Hab ich eigentlich einen Schatten?“.

Der Siegertext stammte am Ende von Matthias Vogt. „Kabale und Diebe“ dreht sich um die Adelige Comtesse von Weingart, die im Königshaus zu einer Feierlichkeit geladen ist, die schnell die Ausmaße eines Saufgelages mit ungehemmter Völlerei annimmt. Die Stimmung auf dem „größten Fest, das das Land je gesehen hat“, droht jedoch bedrohlich zu kippen als festgestellt wird, dass das Königshaus einem fiesen Diebstahl zum Opfer gefallen ist und plötzlich „das Bier alle“ ist. Eine gewitzte Anspielung auf Vorkommnisse im hauseigenen Schülercafé, die das Publikum vor allem wegen ihrer pointierten Dialoge und der unnachahmlichen Vortragsweise des Poeten überzeugte, der zuletzt in der Rolle des „Zoobärs“ in einer Schwitters-Inszenierung durch den Regisseur und Lehrer Jörg Detmold auf der Bühne sein Können bewies.