Patryk Kozubik als Argan und Johannes Kampen als Louison (Foto: J.M. Detmold).

Mit Molières „eingebildet Krankem“ feierte Lehrer und Regisseur Jörg Detmold sein letztes Stück am Gymnasium Voerde

„Der eingebildete Kranke“ war das letztes Stück von Molière, der eigentlich Jean-Baptiste Poquelin hieß. Ob es nun der Zufall so wollte, oder es schon bei der Auswahl des Stücks durch Jörg Detmold eine Anspielung darauf war, dass es auch sein letztes Stück am GV sein würde, sei dahingestellt.

Im Mittelpunkt des von ihm ausgewählten und inszenierten Stücks steht der reiche Argan, hervorragend gespielt von Patryk Kozubik, der eingebildet(e) Kranke, dessen Hauptbeschäftigung darin liegt, seine Tabletten zu zählen und seine Krankenschwester Antoinette (von Amira Müller ebenso herrlich dargestellt) herumzuschubsen. Diese lässt es sich freilich nicht gefallen. Einige, von denen Argan glaubt, er habe sie in der Hand, sind so gar nicht an seiner Genesung interessiert und tun alles, um den eingebildeten Kranken in seiner Einbildung zu bekräftigen. Allen voran seine von Dorin Krücken wunderbar gespielte Ehefrau Bèline, die auf ein recht ansehnliches Erbe spekuliert. Einzig seine Töchter Angélique (Amy Barten) und Louison (Johanna Kampen), die in Argan alles andere als einen selbstlosen Vater haben, empfinden eine ehrliche Zuneigung ihm gegenüber.

In anderen Rollen zeigten grandiose Leistungen Tim Walter und Karl Burow als Herr Diafoirus und sein Sohn Thomas, Amelie Rusterholt als Cléante sowie Silas Zeisel als Notar. Dorin Krücken verkörperte neben Béline noch Purgon und Jörg M. Detmold selbst sprang für Romina Witte in der Rolle des Béralde ein. Moritz Römer übernahm die anspruchsvolle Aufgabe der Technik.

„Der eingebildete Kranke“ ist eine Komödie, in der gelogen, betrogen, verstellt und gespielt wird. Kaum einer meint es ehrlich, und jeder manipuliert jeden zum Zweck des eigenen Nutzens. Molières Stück ist damit vor allem auch eine Posse über menschliche Schwächen; von Jörg Detmold zudem geschickt und ein wenig verspielt angereichert mit Anspielungen über die Gebrechen des Schulsystems. Zum Abschied noch einmal ein letzter Gruß an die alte Schule. Über 70 Stücke hat er in 22 Jahren am GV inszeniert!

Molière erlitt während seiner letzten Aufführung auf der Bühne einen Blutsturz, an dem er später verstarb. Warum für Jörg Detmold der Vorhang am GV nun zum letzten Mal geschlossen wurde, darüber soll nicht spekuliert werden. Man solle ihn doch bitte selbst fragen und keine Gerüchte streuen, so wünscht es sich der langjährige und verdiente Kollege am GV. Nun wechselt er an eine Schule in Wesel und wird in Voerde von vielen Seiten vermisst werden: soviel ist sicher.

Zum Schulwechsel von Jörg M. Detmold schreibt GV-Schulleiter Gerd Kube:

Ein hervorragender Theater-Pädagoge und Lehrer verlässt das GV – Herr Detmold wechselt zum KDG

Nach 22 Jahren, in denen Herr Detmold nicht nur auf höchstem Niveau die Fächer Deutsch und Philosophie unterrichtete, sondern auch Generationen von Schülern für das Theaterspielen begeistern konnte, verlässt der Kollege das GV. Er hat sich dazu entschieden, ans KDG in Wesel zu wechseln, wohin er schon seit Längerem gute Beziehungen unterhält.

Das GV verdankt Herrn Detmold zahllose Theater-Inszenierungen, die allesamt das Niveau von „Schultheater“ weit übertrafen. Sein profunder Sachverstand, der Kollege hat unter anderem auch Theaterwissenschaft studiert, sein Riecher für den geeigneten Stoff und sein ausgeprägter pädagogischer Eros haben ihn zu einer echten Theater-Institution am GV gemacht. Schon in alltäglichen Begegnungen und im Unterricht nahm er bei unseren Schüler/Innen Schauspiel-Talente wahr, die er, ließen sie sich fürs Theater begeistern, auf der Bühne weckte und entfaltete. Nicht wenige von ihnen sind seiner Theaterarbeit treu geblieben und haben sich von ihm über viele Jahre hinweg auf hohem Niveau ausbilden lassen. An ihnen konnte man sehen, welch positive Auswirkungen das Theaterspielen auf die Gesamtentwicklung junger Menschen hat. Wer Theater spielt, nimmt wesentliche Lebenserfahrungen spielerisch vorweg. Liebe, Hass, Leidenschaft, Intrige, Freude, Dankbarkeit, Neid werden auf der Bühne lebendig, ohne dass sie unwiderruflich würden. Herr Detmold hat unsere Schüler mit großem Ernst in das Theater-Spiel eingeführt und sie damit auf ihr Leben bestens vorbereitet.

Die Schulgemeinde dankt Herrn Detmold herzlich für seine außergewöhnlichen Leistungen auf beiden Bühnen, der Theater-Bühne und der Unterrichts-Bühne. Wir wünschen ihm alles Gute für seine Arbeit am KDG und bleiben ihm verbunden.

Gerd Kube

Weitere Fotos zum „eingebildet Kranken“ von Heiko Kempken, NRZ:

Einige wenige Eindrücke vom Schaffen Jörg M. Detmolds am GV: