Schule und Wirtschaft in Voerde - eine wunderbare Freundschaft? PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 14. Juni 2018 um 16:59 Uhr

Unternehmerfrühstück am Gymnasium Voerde

Das seit zehn Jahren gepflegte Unternehmerfrühstück der Stadt und der Unternehmerschaft Voerde fand in diesem Jahr im Gymnasium Voerde statt. Zahlreiche Unternehmer aus dem Raum Voerde kamen im Großraum der Schule zusammen, um unter der Überschrift „Schule und Wirtschaft in Voerde - der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ über die Schnittstelle von Unternehmen und Bildungseinrichtungen zu diskutieren.

Podiumsdiskussion beim Unternehmerfrühstück im GVPodiumsdiskussion beim Unternehmerfrühstück im GVBürgermeister Dirk Haarmann stellte in einem Referat zunächst die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Voerde dar. Dabei stellte er unter anderem die für Familien wichtige Versorgung mit Bildungseinrichtungen heraus, ging aber auch auf die Nachfolgenutzung des Kraftwerkgeländes der Steag ein.

Dr. Christian Henke, Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf, ging in einem Impulsreferat insbesondere auf die Versorgung der Unternehmen mit Fachkräften ein. Zwar hätten die Handwerksunternehmen im Umkreis aufgrund einer anhaltend guten Konjunktur eine Vollauslastung der Kapazitäten vorzuweisen. Gleichzeitig gäbe es aber immer weniger Ausbildungsverhältnisse. Den Grund dafür sah er weniger im demographischen Wandel als in dem veränderten Entscheidungsverhalten der Schülerinnen und Schüler: „56 Prozent eines Jahrgangs beginnen mittlerweile ein Studium. Aber ein Drittel davon schafft am Ende keinen Hochschulabschluss. Das sind Leute, die wir im Handwerk gebrauchen könnten“, so Henke. Der „Akademisierungswahn“ unter den Schülerinnen und Schülern gefährde das duale Ausbildungssystem.

Schulleiter Gerd Kube, der als Gastgeber ein weiteres Impulsreferat hielt, sah Henkes Vortrag als „Steilvorlage“. In seiner Diagnose eines „Akademisierungswahns“ stimmte der Oberstudiendirektor seinem Vorredner zwar zu. Es gäbe einen, auch politisch gewollten, Trend zu immer höheren Abiturientenquoten zu dem Preis, dass die Qualität des noch immer höchsten deutschen Schulabschlusses leide.

Gleichzeitig verwehrte Kube sich aber einer Vereinnahmung der Schule durch die Wirtschaft. Ziel der Schule sei eben nicht die ökonomische Verwertbarkeit von Bildung, sondern diese habe ganz im Sinne von Humboldt dem Menschen an sich zu dienen. „Bildung meint also Menschen-Bildung, der sich die Wissensvermittlung als ein zwar wesentlicher Aspekt aber unterzuordnen hat“, so der Obertsudiendirektor. Fähigkeit zur Freundschaft, Überwindung von Egozentrik, Genussfähigkeit, Urteilsfähigkeit und Empathie sind nur einige Schlagworte, die Kube mit seinem Bild eines „gebildeten Menschen“ verbindet. Der Schulleiter verteidigte in seiner Ansprache damit nicht zuletzt einen humanistischen Bildungsgedanken, der in seiner Zweckfreiheit dem Bildungsverständnis von PISA und der OECD unvereinbar gegenüberstünde.

In einer anschließenden Podiumsdiskussion, an der neben den Referenten Oliver Lemm, Geschäftsführer des gleichnamigen Malerbetriebes, drei Schüler des Gymnasiums (Lucas Mosbacher, Jan Krüssmann, Chiara Woock) teilnahmen, ging es vor allem um die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Die Unternehmer aus dem Publikum wollten von den Diskutanten wissen, wie man Schülerinnen und Schüler, auch des Gymnasiums, wieder stärker für eine Ausbildung in den Handwerksbetreiben begeistern könnte. Die anwesenden Schüler bezeichneten sich selbst zwar als handwerklich unbegabt, glaubten aber, dass auch Gymnasiasten nach dem Abitur eine Ausbildung in Betracht ziehen könnten, wenn man stärker auf die Aufstiegschancen auch im Handwerk hinweisen würde und Möglichkeiten wie das duale Studium stärker forcieren würde. Gerd Kube konnte sich vorstellen, im Rahmen der Berufswahlorientierung die Betriebe in die Schulen zu holen, damit sie ihre Ausbildungsmöglichkeiten den Schülerinnen und Schülern vorstellen konnte. Sein Vorschlag, zu diesem Zweck einen runden Tisch zu etablieren, an dem er ausdrücklich auch Gesamtschulrektorin Ursula Reinartz wissen wollte, wurde von den anwesenden Unternehmern dankbar aufgegriffen.

Durch die Podiumsdiskussion führte mit einer charmanten Moderation Volksbank-Mitarbeiterin Sonja Kaiser.
 
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